Texte zur Alchymie und Naturphilosophie

ausgewählt, transkribiert u. ggf. kommentiert von Peter Hochmeier

1. Erdelement und Sal-Prinzip

Sal tartari

Neben Sulfur und Merkur stellt das Sal-Prinzip das dritte „Prinzip“ im Webwerk der Natur dar. Es ist das hauptsächliche Prinzip der Festigkeit, des grobstofflichen und erdhaften Aspekts der Substanz. Am Direktsten drückt es sich in den Salzen aus. Kunckel’s Traktat bezieht sich dabei vorwiegend auf die vegetabilen Salze.

Von der Generation der Salien

(nach: Johann Kunckel von Löwenstern, >Laboratorium Chymicum<, 1716)

Die Salia werden auf zweierlei Art und Weise generiert: Entweder durch die Digestion, Fermentation und Putrefaction, oder durch die Verbrennung im Feuer. Was den ersten Modus betrifft, nämlich die Generation in der Fermentation, so will ich erstlich den Wein vor mich nehmen: Kocht man den ausgepreßten Rebensaft bis zur Consistenz eines Sirups ein, dann ist es eine Terra unctuosa, die sich wieder in ein Wasser solviert. Dies examiniere durch Solvieren, Coagulieren, auf welche Weise man will, so wird einer nicht das geringste Salz daraus erweisen. Aber dennoch kann man diese Materia Vini in eine Fermentation bringen, zumalen wann solche vom süßen Weine ist. Wenn man sie aber in eine Retorte tut und überdestilliert, so geht ein stinkend Öl über, und in der Retorte bleibt eine Terra – und zwar sehr wenig – zurück. Wenn man aus dieser Asche mit destilliertem Wasser, oder mit seinem eigenen Phlegmate das Salz auslauget, so betrachte man doch, wie wenig dessen ist, verglichen mit der großen Quantität des Saftes, welcher eingekocht worden. Man sieht auch wie wenig es Sal volatile, (welches fast nichts ist) gibt. Es ist also hier vor der Fermentation noch kein (wesentliches) Salz gewesen.

Man lasse diesen Saft aber gären, purum ab impurum sich scheiden, daß es ein klarer Wein werde und nehme hernach die Hefen, destilliere sie nur leicht aus dem Balneo Mariae, so bekommt man bekanntlich einen starken Spiritum Vini, welcher vor der Fermentation unmöglich heraus zu erlangen war. Diese Hefen destilliere zur Trockenheit, dann destilliere weiter, so wirst du finden, was es vor ein häufig Sal volatile gibt und wieviel am Sale fixo, oder sogenanntem Sale alcali, verglichen mit der vorigen Arbeit, zurückbleibt.

Wenn man dieses Salz mit dem Spiritu Vini vermischet, kann es fast dem ganzen Fasse Phlegmatis, so von diesem Wein destillieret worden, seinen Geschmack geben. In diesem Phlegma ist aber keine Fermentation mehr zu hoffen, denn wo ein Salz praedominiert, da ist schon die Fermentation vorhergegangen und läßt alsdenn das Salz keine weitere mehr zu, sondern verhindert vielmehr dieselbe. So aber ein Ding (es sei Wein oder Zuckerwasser oder ein ander Wasser) süß ist, kann es noch weiter fermentieren und Salz generieren.

Nun möchten manche sagen, daß aus dem Absinthio, welches eines von den bittersten Kräutern, sowie auch aus den sauersten Kräutern, könnte ein Sal ohne Fermentation bekommen werden und zwar besonders aus dem Absinthio. Denn wenn ich dasselbe mit Wein extrahiere, oder dessen Saft mit Wein vermische und in den Keller setze, so zeigt sich mit der Zeit (ich sage: mit der Zeit!) ein Sal, auch wohl eher, wenn man es destillieret und wieder hinsetzt. Ich möchte aber gerne denjenigen sehen, der ohne den Wein aus dem Absinthio dieses Salz herausbringen wollte. Denn wenn man den Wein destillieret, läßt er ein Salz oder Tartarum zurück, welches ich noch kein Salz nennen kann, ehe es den Effect eines Salzes hat.

Nun wird dieser Saft des Absinthio (als Materia unctuosa, woraus alle Kräuter be-stehen) mit dem Wein (worin das Sal in der Fermentation, wie gedacht, schon gezeuget ist) digeriert und putreficiert und wird so das Sal (des Weines) mithilfe dieser Materia unctuosa (des Wermuths) sichtbar gemacht. Zwar vermischen sich auch beide zum Teil vermittelst dieser Putrefaction, doch nur wenig.

Auf diese Weise gibt der Absinthio dem Wein-Salze eine Form, deren der klare Wein mangelt und sich so nicht vorstellen konnte. Denn man destilliere den Wein ganz allein, bis daß er seine Feces lasse, und setze selbige vor sich hin, und sehe zu wie lange er digerieren müsse, ehe er seinen Weinstein als ein klares Salz setze.

In obiger Digestion aber muß diese Materia unctuosa (des Absinthio) wieder putreficieren und sich mit dem Sale Vini verbinden, da es sich dann in Forma Salis vorstellen kann. Und hierinnen können die Kräuter (als Absinthium und andere), weil deren Materia unctuosa noch durch keine Destillation corrumpieret worden, am ersten stattfinden.

Wenn man den Saft von sehr sauren Kräutern und Früchten auspreßt und setzt sie vor sich selber hin, ohne daß man sie wärmt, so stehen sie eine geraume Zeit, ehe sich ein Sal oder ein saurer Tartarus will anlegen. Wenn ich sie aber auf eine gelinde Wärme setze, so daß dieser saure Liquor seine eigene Terra viscosam coagulieren kann, und sie alsdann wieder in die Kälte setze, so schießet viel eher ein Tartarus an. Wenn ich ihm aber diese Terram viscosam benehme (etwa cum albumine ovorum) und setze ihn dann hin, so würde auch in 10 Jahren kein Tartarus daraus. Also fermentiert keine Säure, wie auch kein Salz, welches proprie sauer ist. Man möchte aber sagen: dieser Saft wäre per Fermentationem in dem Kraute sauer geworden, und es wäre schon Salz darin sobald es aus der Erde kommt. Weil aber der Samen auch eine Säure hat (gleichwie beim Absinthium eine Bitterkeit), so müßte folgen, daß schon all dieser Tartarus oder Salz in selbigem Samen gewesen wäre.

Nun wird das Wasser und die unctuosa Materia (oder das wäßrige Sperma) mit dem Samen vereinigt und wächst ein jedes nach seiner Art, süß und bitter, je nachdem der Magnet in den Samen zeucht. Es findet aber keine Fermentation im Wachstum statt, denn wenn das wäre, dann müßte ein jedes Kraut eine besondere Wärme und eine besondere Erde haben. Man nehme Semen Anisi, Foeniculi, Absinthii und Acetosellae, und säe sie in einen Kasten mit Erde, so werden die einen süß, das andere bitter und das dritte sauer werden. Wenn nun hier die Fermentation eine Statt hätte, so würden in selbiger alle süßen Dinge sauer und kein saures Ding süß werden, indem die Natur nicht zurück geht. Denn ein jedes Ding in der Welt, das wächst, hat seinen Magnetismum, vermittelst dessen es gezeugt wird.

Genug daß mir keiner auftreten soll, der mir ein Salz aus einigem Kraute beweisen könne ohne Fermentation oder Verbrennung.

Nun wende ich mich zur Verbrennung der Kräuter, als zum andern Teil der Generation der Salien durch die Kunst: Man nehme ein Kraut, welches man will, und lasse es trocken werden. Sobald es trocken wird ist sein unctuosum schon coaguliert und kann ein Salz daraus bewiesen werden wenn man es in eine Retorte steckt und es herüberdestilliert.

Da geht sein erstes Principium, als die Luft, heraus und legt sich ein Sal volatile an, denn die Kälte flieht als erstes vor dem Feuer. Und also gehen die Teile zusammen und formieren ein Salz. Das Residium, das ist der Rückstand, also die gröberen Teile gehen mit dem Unctuoso zusammen und wird also ein anderer Genus, ein anderes Geschlecht der Salze vermittelst des äußeren Feuers daraus. Wenn nun dieses (Sal fixum) ausgelauget und das Sal volatile (mittels Rectification) gereinigt und also beide zusammengesetzt werden, so wird ein Streit zwischen ihnen beiden und gehet das Sal volatile in einen Spiritum herüber, welcher seine mit aufgeführte Terram (oder Unctuosum), welche erstlich solchergestalt zur Terra wird (oder geworden ist) bei dem Sale fixo läßt, das man Alcali nennt. Dieser Spiritus volatilis, welchen etliche Urinosum nennen, wegen seiner Gleichheit mit dem Urin-Salz, kann nun nicht wieder körperlich (in forma Salis) vorgestellt werden, man bringe ihm denn eine Erde in der Präcipitation bei, oder vermittelst der Übersetzung eines Salis Alcali, wovon hernach in der Teilung und Veränderung der Salien weiter soll gedacht werden. Hier will ich nur um beliebter Kürze willen anführen, wie die Salia vermittelst des Feuers generiert werden.

Nun möchte man sagen: das Salz müßte von Anfang an schon im Kraute gewesen sein, sonst könnte es nicht daraus bewiesen werden. Wir haben aber beim Weine schon bemerkt, daß das Salz eine Fermentation zu seiner Generierung haben muß, und daß es eine lange Zeit erfordert, ehe das Salz auf diese Weise produciert werde. Hier in der Verbrennung aber ist der Motus und Effectus generationis, die Art und Weise wie es produciert wird, geschwinder, weil durch das Feuer die Teile sofort ineinander wirken und andere Teile daraus werden, die vorher nicht gewesen. Als zum Exempel:

Kein Salz brennt von sich aus, gibt auch keine Flamme, es sei denn mit einem Unctuosum verbunden.

Kein Salz kann von sich aus brennen, obwohl es wegen seiner Schärfe corrodieren kann. Das Salniter an und für sich selbst brennt nimmer, es sei denn, daß es eine Materiam unctuosam, als eine Kohle oder Holz bekomme, und je subtiler oder gelinder diese Kohle ist, desto besser brennt es.

Nun aber formiere oder demonstriere mir einer ein Salz aus der Kohle! Ein Unctuosum, oder Materia viscosa, kann wohl brennen ohne Salz, wie an dem Baum-Öl und anderen Fettigkeiten zu sehen ist, denn diese haben natürlicherweise kein Salz. Wenn man nun sagen wollte, es wäre im Kraute oder Holz das Salz schon gewesen, so möchte ich ein Exempel dagegen setzen:

Ich habe einen Ofen, den mir ein guter Freund geschenkt. In selbigen legt man anfänglich ein wenig Kohlen, auf die Kohlen lege ich Holz oder Kraut, Haar oder Leder, oder alles was verbrennlich ist. Weil nun alle Teile, so sie angezündet werden, unter sich durch die Kohlen gehen und also nicht das Geringste bleibt, das nicht wieder in sein Principium, als in Licht, Luft, Wasser und Finsternis resolviert würde, also bleibt auch gar kein Salz, als das gar wenige, das durch den Rost fällt (welches man nicht verwehren kann) verbleibet.

Es ist dieser Ofen eine ingenieuse Erfindung, weil man damit aus allen verbrennlichen Dingen bald eine Wärme haben kann. Weder Haar noch Leder geben dabei den geringsten Geruch, noch viel weniger legt sich dabei am Deckel oben etwas an; man kann das Ganze also mitten in ein Zimmer setzen. Diese Erfindung ist mir deswegen lieb gewesen, weil man dadurch erweisen kann, daß ein Feuer ohne Rauch vom Holze gemacht werden könne. Und weil hier kein Rauch wird, so kann das kalte Teil sich mit nichts verbinden, noch eine Schärfe formieren und zu Salze werden. Das andere kann gleichfalls nicht coagulieret und zur Asche werden und keine Schärfe formieren.

Aus dem Angeführten ist nun genugsam zu ersehen, daß das Sal aus den Vegetabilien in der Verbrennung durch den Motum erst formiert werde und nicht das Kraut wegen des Acidum oder Sal brenne.

Hierbei fällt die Frage an, warum alleine der Salpeter (und kein anderes Salz) mit der Kohle brennt. Die Antwort ist diese: Es kann kein Feuer formiert werden, wo nicht zwei Dinge, als Hitze und Kälte, miteinander streiten. Nun ist bekannt, daß der Salpeter ein Sal duplicatum ist und vor allen anderen Salien am meisten von der Kälte participiere. Weil nun eine Materia unctuosa (die in der Kohle oder im Holz coaguliert ist) dazu kommt, so wird die Kohle (welche ihr verlorenes Teil von der Kälte wiederbekommt) in ein Agens gebracht.

Ich habe angemerkt, daß es unmöglich sei, aus der Kohle ein Salz zu extrahieren, wenn man sie auch hundert Jahr in einem verschlossenen Gefäß brennete, habe auch solchergestalt sehr lange in einem Glas-Ofen gehalten und ist zuletzt wie vorhin eine Kohle geblieben. Wenn man nun ein Stück Holz in einem Tiegel einschließt, welches ganz trocken ist, so wird es zu Kohle, und es geht ihm ein wenig am Gewichte ab. Dieses ist, weil die Luft in dem Holze nicht bleiben kann, sondern von der Hitze durch die Poros getrieben wird und aus solche Weise auch die wenige Feuchtigkeit mit weggehet und dergestalt die Veränderung des Gewichts verursacht. Es wird also die Materia unctuosa, woraus das Holz bestanden, nur coaguliert und gleichsam corrumpiert. Wäre sie in ihrem Wasser geblieben, dann wäre sie wieder ad Principia gegangen. Aber so ist sie durch die Kunst daraus gesetzt worden.

Noch besser zu beweisen, daß kein Salz in Vegetabilien natürlicher Weise sei, sondern solchergestalt formiert werde: Man nehme diese Kohlen, sie seien von was Holz oder Kraut sie wollen und lauge sie aus, so wird man aus hundert Pfunden nicht ein Quentchen Salz bekommen, es wäre denn eine anklebende, formierte Asche daran. Lege ich aber selbige hin, daß sie allmählich in der Luft anglimmt, so sieht man, wie eine zarte Loder-Asche sich um solche anlegt und also ein gut Teil davon zu Asche wird, woraus man hernach ein Salz laugt.

Die Ursache ist, weil die anderen Principia hier agieren können und auch ein jedes wieder in seinesgleichen gehen kann, daß denn die Materia unctuosa zu einer trockenen Erde wird. Denn was sonsten durch Digestion, Fermentation und Putrefaction langsam und gelinde geschieht, das geschieht hier im Feuer gewaltig.

Item, man nehme zum Exempel einen hohlen Buchenbaum, der so faul ist, daß man das Inwendige mit der Hand reiben kann. Dieses probiere man, ob ein granum Salis durch einige Extraction zu bringen sei. Wenn man ihn aber anzündet und er außen noch hart ist, so brennt das Innwendige (weil diese Materia unctuosa ganz locker und dürre) sehr heftig – und zwar dergestalt, daß es auch öfters als ein Vitrum, oder Glas, zusammenläuft und heruntertröpfelt, sonderlich wenn der Baum noch steht. Und das ist fast lauter Salz. Wenn man es aber nur so gelinde und offen verbrennt, so wird es ganz wenig Salz.

Die Ursache ist: Weil die Rinde herum solche Verbrennung eingeschlossen, so hat die Luft nicht soviel Macht, daß sie die Teile extendieren kann. Deswegen kann es nicht in seine Principia gehen, sondern wird daran gehindert.

Man nehme aber den ganzen Baum und lege ihn in oberwähnten Ofen (der fast nicht Asche noch Rauch gibt), so soll mir keiner aus einem Centner solchen Holzes nicht über ein Pfund Asche herausbekommen. Wo ist nun das Salz geblieben? Wo ist das Acidum hergekommen, das im Feuer ist, welches nach einiger Verbrennung das Pondus, das ist das Gewicht, machen soll? Das Feuer macht dir in Ewigkeit kein Pondus, wo nicht eine Asche wird. Dieser Baum ist in seinem Gemach verbrannt, und man kann kein Gewicht davon finden. Wo ist er nun geblieben?

Die süßen Dinge, wie Baum- und Mandelöl, brennen, wie bekannt, am besten, und man kann nichts davon fangen. Wenn es aber nicht zu heftig brennt, sodaß nicht alles in die Flammen kommen kann, so setzt es einen Ruß. Aus solchem, weil nicht alles in die Flamme gebracht worden, könnte man alsdann wohl ein Salz machen. Wo aber kommt das Acidum in dem Brennen her? Im Oleum oder faulen Holz war es nicht. So müßte man sagen: Es wird im Brennen generiert. Wird es darinnen generiert, so müßte auch möglich sein, daß man es als einen Spiritum fangen könnte, welches aber unmöglich.

Meine Ursach davon zu geben ist, daß sich die Principia wechseln, und davon entsteht allezeit das Contrarium, als Hitze und Kälte, wie schon erwähnt. Man möchte mir zwar einwerfen, daß wenn man Holz in die Retorte steckt und es destilliert, man ein saures Wasser bekommt, und also wäre ja das Acidum oder Salz schon im Holze. Ich versichere dir aber, daß ich solches gar wohl weiß. Wie oben schon gemeldet, geschieht nämlich hier eine geschwinde Zusammentreibung der Teile durch die Hitze in der Retorte, die sonst durch Putrefactionem und Fermentationem muß effectuiret werden. Ist auch über dieses ein großer Unterschied unter dem Geschmack und Geruch.

Noch ein Exempel will ich geben, nämlich vom Roggen und vom Weizen: Man stecke solche in eine Retorte und destilliers, so wird man einen sauren und branzichten (Empyrermaticum) Spiritum bekommen. Die Säure ist zwar schlecht, doch sauer. Wenn das Korn zu Malz gemacht wird, dann wird es süßer als es zuvor war. Setzt man es gemahlen hin und läßt es fermentieren, so wird ein süßes Bier oder ein Getränk daraus, und laß ich solches warm stehen, so wird’s ein saurer Essig. Lasse ich es mitsamt den Hülsen fermentieren, sodaß es etwas zu sauer wird, so destilliere ich einen Spiritum heraus. Aus diesen einfachen und alle Tage vor Augen stehenden Dingen ist zu sehen, wie die Veränderung durch Verwechslung der Principien geschieht. Nun war dieses Malz süß und ist eine heftige Säure geworden, die vor der Fermentation nicht da war. Genauso macht auch die Destillierung aus der Retorten eine schnelle Veränderung.

Nun will ich auch noch den Menschen vor mich nehmen, zu erklären, daß die Salia per Fermentationem generieret werden. Zum Exempel: Wenn einer nichts anderes als Wasser trincket und Brot isset, dann ist nun im Wasser kein Salz, und das Brot ist zwar ein wenig fermentiert, aber man kann noch wenig Salz darin finden, oder solches ohne Verbrennen daraus demonstrieren. Dieses kommt in den Magen, da wird es digeriert und hernach in die Gedärme geschickt, worin das gröbere Teil in die Fermentation geht.

Diese Fermentation und zugleich Putrefaction machet uns den Calorem. Wenn selbige nicht wären, könnten weder Mensch noch Tier einige Wärme in sich haben.

Das Subtile aber, oder der Chilus, welcher zu Milch und Blut wird, ist der Fermentation nicht unterworfen (es sei denn zufälliger Weise, wenn eine Alteration von ungleicher Wärme und Kälte geschieht). Denn alles was fermentiert, wird nach dem Grad der Fermentation sauer. Es ist mir in vielen Jahren nichts Abgeschmackteres vorgekommen, als man mich überreden wollte, die Fermentation geschehe in dem Magen. Wenn es so wäre, dann würde diese Fermentation unstreitig eine Säure generieren, woraus erfolgte, daß die Milch erstlich sauer und dann in den Adern wieder süß würde. Ich habe aber niemals die Erfahrung machen können, daß eine Säure wäre süß geworden, wohl aber eine Süße sauer. Zudem: Wenn die Fermentation im Magen geschehe, so würde auch eine Putrefaction geschehen, also ein häßlicher Geruch aus dem Munde gehen, welcher nicht viel besser als der aus dem Hintern wäre. Diese Materia unctuosa aus dem Wasser und aus dem Brot geht aber als das Subtilste durch die Milch-Gefäße nach seinem gehörigen Ort.

Wenn aber, wie zu Zeiten geschieht, wenn einer weichliche und süße Speisen ißt, dennoch eine Fermentation im Magen vorgeht, dann entsteht entweder ein Brechen oder ein starkes Sodbrennen, und wenn er aufstößt, so kann man schmecken, was die Fermentation generiert. Wenn süße und saure Speisen im Magen zusammenkommen, so wollen sie sich in der Digestion nicht vereinigen, sondern stoßen auf, und es werden Winde generiert. Da wird man nichts anderes schmecken und riechen, als man gegessen hat. Ist es mit wohlriechendem Gewürz gewesen, dessen Geruch prädominiert, so empfindet man selbigen auch im Munde. Kommt aber die Speise mit den Winden in die Därme, so wird der Geruch seht verändert, wie eines jeden seine Nase wird empfunden haben, sollte er dieses Sinnes nicht beraubt sein.

Nun wird man finden, daß diejenigen, welche Brot essen und Wasser trinken, selten oder gar nicht mit dergleichem behaftet sind, als diejenigen, welche allerhand Speisen durcheinander essen. Denn dadurch entsteht eine heftigere Fermentation, und es ist mehr von der Materia viscosa da, woraus dieses Salz generiert wird. Zudem weil kein Salz im Wasser, so wird das aus dem Brot generierte extendiert und kann zu keiner Coagulation kommen, weil es mit dem Wasser verdünnt ist. Diejenigen, so Bier und Wein trinken und weichliche Speisen essen, sind dergleichen Zufällen mehr unterworfen, als der Bauer, wenn er Brot ißt und Wasser trinkt. Man findet auch in deren Urin eine viel größere Copiam Salis, als dort wo sie Wasser und Brot genießen.

Wenn dieser oder jener Urin nun putreficiert, dann generiert sich noch mehr Salz, als zuvor in dem Leibe gewesen. Denn ich sage nochmals, daß die Salia alle durch eine Putrefaction und Fermentation, welche wie Schwester und Bruder sind, generieret werden. Gleichwie bei den Vegetabilien die Artifical-Salia durch Fermentation oder schnelle Verbrennung, durch Zusammentreibung und Versetzung der Teile entstehen, also also geschieht es gleichfalls im Menschen und in den Tieren durch die Natur selbst.

Im Brot ist nur wenig Salz. Wenn aber einer nur Brot ißt, so finden sich in dessen Urin zweierlei Salze, von Natur unterschieden, in ziemlicher Quantität. Wenn dieser Urin putreficiert und also in sich fermentiert ist, so wird des Salzes wegen der Materia unctuosa noch mehr. Man scheide nun das kalte Teil von dem warmen (die sich leicht scheiden lassen), so wird man ein Sal volatile oder Urinosum bekommen. Wenn man aber das Unterste wohl reinigt, so erlangt man ein Salz, dem Kochsalz ganz gleich, ja auch dergestalt, daß es im Notfall copiös könnte daraus gemacht werden und man dessen in Belagerungen keinen Mangel hätte. Denn bei jedem Menschen wird soviel generiert, als er wieder zu seiner Notdurft braucht.

Nun ist vorher im Brot wenig Salz gewesen, noch weniger im Wasser, also kann man sehen, wie die Salia einen Anfang nehmen und keine Anfänge der Dinge oder Principia sind.

Denn wer Vernunft hat, der wird wohl sehen, daß die Salia durch zufällige Wärme und Kälte ihren Anfang so wohl nehmen, wie auch alle anderen Gewächse von Hitze und Kälte als zwei gegeneinanderwirkende Wesen gezeugt, weshalb sie auch beider Wirkung teilhaftig sind, doch eines mehr als das andere, je nachdem es eine Materiam und einen Ort zu dessen Zeugung hat.